Die gute Nachricht: Bulgarisch ist beinahe eine phonetische Sprache. Was Sie sehen, lesen Sie auch. Die schlechte Nachricht: Die Betonung ist frei und beweglich. Sie kann auf jede Silbe fallen und wechselt manchmal sogar innerhalb desselben Wortes ihren Platz.
Die freie Betonung
- въ́лна (wǎ́lna, „Wolle“, vom Schaf) und вълна́ (wǎlná, „Welle“, vom Meer). Verwechseln Sie das, stricken Sie Ihren Pullover aus der Brandung.
- па́ра (pára, „Dampf“, aus dem Wasserkessel) und пара́ (pará, eine alte Münze, heute umgangssprachlich für Geld überhaupt – „нямам пара“, „ich habe keinen Cent“).
- вина́ (winá, „Schuld“ – Ihre Schuld) und ви́на (wína, die Mehrzahl von „вино“, „Wein“). Beides tritt oft zusammen auf, wenn man es mit Letzterem übertreibt.
Die Reduktion
In unbetonter Stellung klingt „а“ fast wie „ъ“, und „о“ nähert sich dem „у“. Deshalb sagen manche „мълкó“ statt „мляко“ (mljako, „Milch“) oder „гувúда“ statt „говеда“ (goweda, „Rinder“). Das ist kein Aussprachefehler, sondern ostbulgarisches Erbe. Schreiben Sie es nur nicht so in den Brief ans Finanzamt.
Laute, die Ausländer ins Grübeln bringen
- Ъ – der „bulgarischste“ Buchstabe. Er steckt in България (Bǎlgarija), ъгъл (ǎgǎl, „Ecke“), път (pǎt, „Weg“). Wenn Sie ihn aussprechen können, ohne nachzudenken, haben Sie den halben Weg zur Staatsbürgerschaft hinter sich.
- Дж und Дз – zwei Laute, die wir mit je zwei Buchstaben schreiben: джоб (dschob, „Tasche“), дзън (dsǎn, ein Klangwort für das Klingeln).
- Х – weicher als das deutsche ch in „Bach“. Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie sich dabei verschlucken.
Der Bulgare schüttelt den Kopf, wenn er „ja“ sagt, und nickt, wenn er „nein“ sagt. Das hat mit der Aussprache nichts zu tun, rettet aber mindestens ein Abendessen im Monat, wenn der Kellner fragt, ob es „mit etwas Schärfe“ sein darf.